Bewohnerinnen des Bodelschwingh-Heims Weinheim besuchen die Ausstellung „Woinem in Masche“
Bodelschwingh-Heim Weinheim hat mit einem besonderen Ausflug einmal mehr gezeigt, wie wertvoll gemeinschaftliche Erlebnisse und ehrenamtliches Engagement sein können. Fünf Bewohnerinnen des Hauses besuchten gemeinsam mit Ehrenamtlichen die Ausstellung „Woinem in Masche“ in der Weinheim Galerie – und erlebten einen Nachmittag voller Erinnerungen, Staunen und emotionaler Begegnungen.
Handarbeit verbindet Generationen
Schon beim Betreten der Ausstellung wird klar: Hier steckt unzählige Stunden liebevoller Handarbeit in jedem Detail. Gehäkelte Stadtansichten, filigrane Blumen, winzige Tiere und bekannte Weinheimer Orte aus Wolle ziehen die Besucherinnen sofort in ihren Bann.
Viele der Seniorinnen haben selbst ein Leben lang gestrickt oder gehäkelt. Deshalb entsteht schnell eine besondere Verbindung zu den ausgestellten Werken.
„Schau dir mal diesen Frosch an, wie fein der gearbeitet ist“, sagt eine Bewohnerin begeistert. Eine andere ergänzt: „So dünne Wolle habe ich noch nie gesehen.“
Besonders beeindruckt zeigt sich die Gruppe von der gehäkelten Magnolie des Hermannshofs in voller Blüte. Die detailreiche Arbeit stammt von Dr. Carmen Spiegel.



„Woinem in Masche“ begeistert mit Liebe zum Detail
Die Ausstellung lebt vor allem von ihrer außergewöhnlichen Präzision. Fotos realer Weinheimer Orte werden den gehäkelten Miniaturversionen gegenübergestellt – ein direkter Vergleich, der für viele erstaunte Reaktionen sorgt.
Während der Führung erzählt Dr. Carmen Spiegel immer wieder kleine Geschichten und Anekdoten rund um die Entstehung der Kunstwerke. Dadurch bekommen die einzelnen Szenen zusätzliche Tiefe und Persönlichkeit.
Auch weitere Beteiligte der Ausstellung begleiten den Nachmittag. Unter ihnen John David Khalid, der berichtet, dass an manchen Elementen täglich vier bis sieben Stunden gearbeitet wurde.
Immer wieder entstehen Gespräche über frühere Handarbeitserfahrungen, über Geduld, Kreativität und die Kunst, mit den Händen etwas Bleibendes zu erschaffen.
Ehrenamt macht besondere Begegnungen möglich
Ermöglicht wurde der Ausflug durch Holger Haas, der sich ehrenamtlich im Bodelschwingh-Heim engagiert. Gemeinsam mit seiner Frau Dr. Carmen Spiegel organisierte er den gesamten Ablauf – von der Abstimmung mit der Ausstellung bis zum rollstuhlgerechten Zugang.
Unterstützt wurde der Nachmittag außerdem von Isolde Gemmeke-von Berg sowie Julie Jane Schubert, die seit Anfang 2025 die Ehrenamtskultur im Bodelschwingh-Heim aufbaut und begleitet.
Für Julie Jane Schubert stehen dabei vor allem echte Begegnungen im Mittelpunkt.
„Für mich ist das Ehrenamt ein Beziehungsraum“, sagt sie. „Es geht darum, Menschen miteinander in Verbindung zu bringen – Bewohner, Ehrenamtliche und Mitarbeitende.“

„Herzenszeit“: Ehrenamt im Bodelschwingh-Heim wächst weiter
Unter dem Namen „Herzenszeit – Engagement, das berührt“ entwickelt sich im Bodelschwingh-Heim seit Monaten eine lebendige Ehrenamtskultur. Ziel ist es, Räume für menschliche Nähe und echte Begegnungen zu schaffen.
Menschen unterschiedlichen Alters engagieren sich inzwischen auf vielfältige Weise: bei Spazierfahrten im Schlosspark, Einzelbesuchen, Bewegungsgruppen, Spielenachmittagen, Hundebesuchen oder kreativen Angeboten.
Auch ungewöhnliche Ideen finden ihren Platz – etwa „Stadtführungen im Sitzen“, die von einer ehrenamtlichen Stadtführerin gestaltet werden.
Besonders wichtig sind Julie Jane Schubert dabei die persönlichen Eins-zu-eins-Begegnungen zwischen Ehrenamtlichen und Bewohnerinnen und Bewohnern.
„Ich glaube, viele Menschen sehnen sich heute nach Echtheit und danach, einem anderen Menschen ehrlich zu begegnen“, erklärt sie.
Ein Nachmittag, der lange nachklingt
Was diesen Ausflug so besonders macht, ist nicht nur die Ausstellung selbst, sondern ihre Wirkung auf die Menschen. Die feinen Strukturen der Wolle, die sichtbare Handarbeit und die liebevollen Details entfalten ihre volle Wirkung erst im direkten Erleben.
So bleibt am Ende weniger ein einzelner Moment in Erinnerung als vielmehr ein Gefühl: das Gefühl von Nähe, Gemeinschaft und echter Verbundenheit.
Vielleicht klingt genau deshalb dieser Nachmittag noch lange nach – weil er nicht nur betrachtet, sondern von Herzen erlebt wurde.




