„Seine Geschichten handeln von menschlichen Emotionen“ – Hans Fallada berührt das Publikum im Weinheimer Museum
Alles rund um die Liebe – mal heiter, mal melancholisch, manchmal beides zugleich. Mit diesem Gefühl startete das Kulturbüro seine neue Reihe „Lesungen im Museum“ und stellte in diesem Frühjahr den Schriftsteller Hans Fallada in den Mittelpunkt.
Im oberen Raum des Stadtmuseum Weinheim, bekannt für seine hervorragende Akustik und die persönliche Atmosphäre, wurde Literatur wieder zum direkten Erlebnis – ohne Mikrofon, ohne Distanz, dafür mit Nähe zwischen Bühne und Publikum.
Fallada: Zwischen Humor, Melancholie und großer Menschlichkeit
Falladas Kurzgeschichten sind kleine Momentaufnahmen des Lebens. Sie erzählen von Liebe, Arbeitslosigkeit, Alltagssorgen, Hoffnungen und Brüchen – präzise beobachtet und mit einer Mischung aus Wärme und Tragik.
Der Autor selbst war ein Mensch der Gegensätze: Erfolg und Absturz, Kreativität und Abhängigkeit. Morphium- und Alkoholsucht prägten sein Leben ebenso wie sein scharfer Blick auf gesellschaftliche Realitäten. Genau diese Widersprüche machen sein Werk bis heute so eindringlich.
Mit der aktuellen Reihe knüpft das Kulturbüro an den Erfolg der Vorjahreslesungen mit Texten von Stefan Zweig an – diesmal jedoch mit einem noch raueren, unmittelbaren Ton.
Gelungene Premiere mit Katharina Kessler
Zum Auftakt übernahm die Schauspielerin Katharina Kessler die Lesung. Mit klarer Stimme und feinem Gespür für Zwischentöne brachte sie heitere wie berührende Kurzgeschichten zum Klingen.
Ob Liebesgeschichten, Beobachtungen aus dem Landleben oder existenzielle Fragen – Kessler ließ jede Figur lebendig werden. Das Publikum im voll besetzten Raum dankte es mit spürbarer Aufmerksamkeit und langem Applaus.
Nächster Termin: Falladas Gefängnistagebuch am 15. Februar
Am 15. Februar rückt Falladas bewegtes Leben noch stärker in den Fokus. Gelesen werden Auszüge aus seinem in den 1940er-Jahren verfassten Gefängnistagebuch – eindringliche Texte über seine Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus.
Die Lesung übernimmt Patrick Schnicke, aktuell Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim und Träger des Günther-Rühle-Preises der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste. Seine Interpretation verspricht eine intensive, dichte Atmosphäre – Literatur, die nachhallt.
Ort: Stadtmuseum Weinheim, Amtsgasse 2
Zeit: jeweils 11 Uhr
Eintritt: frei
Hinweis: nur eingeschränkt barrierefrei, erster Stock ausschließlich über Treppe erreichbar




