Weinheim bleibt bunt: Hunderte demonstrieren gegen rechten Aufmarsch am Kriegerdenkmal
Mit einer deutlichen Botschaft gegen Hass und Rechtsextremismus hat das Bündnis „Weinheim bleibt bunt“ am Freitagnachmittag ein starkes Zeichen gesetzt. Rund 350 Menschen beteiligten sich an der Gegenkundgebung in der Innenstadt von Weinheim. Anlass war ein Aufmarsch der rechten Szene am historischen Kriegerdenkmal, an dem nach Angaben vor Ort etwa zehn Personen teilnahmen.
Zusätzlich versammelten sich rund 100 Personen aus dem antifaschistischen Spektrum. Mehrere Hundert Polizeikräfte waren im Einsatz, um die verschiedenen Gruppen zu trennen und die Veranstaltungen abzusichern.
„Mit Kunst und Kultur gegen Hass und Hetze“
Das Bündnis „Weinheim bleibt bunt“ hatte gemeinsam mit zahlreichen Initiativen, Vereinen, Gewerkschaften und demokratischen Parteien zur Demonstration aufgerufen. Nahezu alle politischen Parteien der Stadt waren vertreten. Auch die Kandidaten für das Bürgermeisteramt beziehungsweise Oberbürgermeisteramt zeigten Präsenz und positionierten sich klar gegen Rechtsextremismus.
Unter dem Motto „Mit Kunst und Kultur gegen Hass und Hetze“ wurde ein vielfältiges Kulturprogramm organisiert. Musikerinnen und Musiker, Rednerinnen und Redner sowie engagierte Bürgerinnen und Bürger setzten ein Zeichen für Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Warum das Kriegerdenkmal in Weinheim umstritten ist
Der Protest richtete sich besonders gegen den bewusst gewählten Veranstaltungsort der rechten Szene: das Weinheimer Kriegerdenkmal. Das Denkmal wurde 1936 während der Zeit des Nationalsozialismus eingeweiht und gilt historisch als belastet.
Historiker sehen in der monumentalen Anlage ein Beispiel nationalsozialistischer Heldenverehrung und militaristischer Propaganda. Gerade deshalb sorgt die Nutzung des Denkmals durch rechte Gruppen immer wieder für Diskussionen in Weinheim.
Der 8. Mai und die Haltung der rechten Szene
Der 8. Mai gilt in Deutschland als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Demokratische Parteien und gesellschaftliche Gruppen erinnern an diesem Datum an das Ende der NS-Diktatur und an die Opfer des Zweiten Weltkriegs.
Teile der rechten Szene sowie die frühere NPD, die heute unter dem Namen „Die Heimat“ auftritt, vertreten dagegen seit Jahren revisionistische Positionen zum Kriegsende. Rechtsextreme Gruppen sprechen häufig nicht von Befreiung, sondern versuchen die historische Bedeutung des Tages umzudeuten.
Auch die Kundgebung am Kriegerdenkmal stand in diesem politischen Kontext.
Großeinsatz der Polizei und Zwischenfall mit Farbbeuteln
Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Bereits im Vorfeld hatten Ordnungsamt und Polizeibehörden auf mögliche Verkehrsbehinderungen sowie einen erhöhten Sicherheitsaufwand hingewiesen.
Im Umfeld des Kriegerdenkmals kam es zudem zu einem Zwischenfall. Nach ersten Informationen wurde eine Gedenkfeier mit roten Farbbeuteln beschossen. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Das Kriegerdenkmal wurde gerade vor ein paar Wochen gereinigt und die Verwaltung muss sich fragen lassen wie Sie in Zukunft mit dem Denkmal umgehen will.
Weinheim sendet klares Signal gegen Rechts
Die Bilder des Nachmittags zeigten deutlich, wie breit der gesellschaftliche Widerstand gegen rechte Ideologien in Weinheim ist. Während sich nur wenige Angehörige der rechten Szene versammelten, demonstrierten Hunderte Menschen friedlich für Demokratie, Vielfalt und Erinnerungskultur.
Das Fazit ist eindeutig: Weinheim bleibt bunt — und die Stadtgesellschaft zeigt Haltung gegen Rechtsextremismus und Geschichtsrevisionismus.




